Magische Orte: 1000 Jahre und kein bißchen greise ...



Gesehen auf der Durch- und Rückreise im Dom zu Limburg an der Lahn (18.12.2015).
 

Links: Konrad Kurzbold (885-948).
 


1000 Jahre ... Magische Orte. Hoch über der Lahn thront auf Fels gebaut der Limburger Dom.

(Eine Erinnerung von der Rückreise der Firmen-Jahrestagung 2015 in Wuppertal mit Zwischenstopp in Limburg an der Lahn in Hessen, wo ich eine zeitlang in der Nähe gewohnt hatte.)

Im Dom schaute ich früher gern sonntags, oder auch sonst, fast immer kurz vorbei, wenn ich im bezaubernden Fachwerk-Altstädtchen Limburgs mit meinen Blicken und Füßen durch die Gassen und immer wieder gern am Lahnufer entlang schlenderte. Vor langer Zeit, aber keine 1000 Jahre her wie bei Konrad Kurzbold (oben liegend seitdem, der Herr Graf).

Was auf mich in den Innenhallen des Doms wirkte war die Einfachheit (einfach mag ich einfach) und Raumsphäre (Tiefe), romanisch-gotische Baukunst. Das Innere (vertikale Stadt-Perspektiven, also übereinander) erinnert an die himmlische Stadt Jerusalem des Neuen Testaments, die "Braut Christi" (die Kirche, Gemeinde), so die alten Farben des äußeren Doms ('wie eine für ihren Mann geschmückte Braut').

Wer nahm oder wer konnte den Dom früher auf dem 1000-Mark-Schein wahrnehmen ... oder in die Hand nehmen? Zeit und Geld fließen wie das Wasser im Flüßchen Lahn ... vorbei. Was zählt, was man selbst in die Hand nehmen kann – die Gegenwart, und ein eigenes Leben. Graf Kurzbold (Foto) bleibt liegen (starb im Jahre 948), offenen Auges, das Leben geht weiter; und ich wanderte aus nach Baden-Württemberg, auf die Schwäbische Alb.





Auf der Rückreise von der Jahrestagung in Wuppertal begleitete mich eine Kollegin, auch bei der Stippvisite im Limburger Dom, auf den ich nach so vielen Jahren Abwesenheit freudig gespannt war.

Ja, das Innere hatte seinen Zauber auf mich nicht verloren, auch der ewig junge tausendjährige Konrad Kurzbold nicht (dem ich zur Begrüßung den großen Zeh drückte).

Anders die Kollegin – sie sah nichts ungewöhnliches im Dom, wie sie sagte (die uralten Fachwerkhäuser und Altstadtgassen Limburgs fand sie noch besser). Menschen können so verschieden sehen (sein).

Zu meinen "Augen-Blicken" im Dom noch erklärend: Als sensibler Beobachter nahm ich das Dominnere über Jahrzehnte als Retrospektive der Realität wahr:

Für Geburt (das prächtige uralte Taufbecken), für Liebe (Hoch-Zeit) und Arbeit (Handwerk), letztlich Tod (Grabmale), wobei der tausendjährige Konrad Kurzbold trotz allem milde dreinschaut. Dazu biblische oder historische Bildwerke und Menschen aus Stein oder Gips, allesamt tot, doch interessant anzuschauen. Zeugnisse menschlicher Gefühle, Bedürfnisse, Größe oder Niedertracht, Schwäche; das Taufbecken ziert ein sich bekämpfendes und ein sich küssendes Paar. Menschenwerke. (Gotteswerke sind in der Natur.)

So ergeht's mir noch heute manchmal in Kirchengebäuden (aber nicht in überladenen, barocken), auch im Salzburger Dom, bei mir quasi um die Ecke und über eine Landesgrenze. Magische Orte finden sich mancherorts.



* Zur Bildergalerie   Foto "Augen-Blicke" ... (Beispiel-Album "Salzburg").
  Was, wie, warum und überhaupt  (About – über meine "Knipserei").

Textwerk verfügbar bei Namensnennung "stephan castellio wrobel"  und unter CC BY-NC-ND 4.0.
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